Umweltzone Leipzig

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Gute Luft ist in Städten mit ausschlaggebend für die Lebensqualität und Gesundheit der Menschen. In Europa ist vor allem die Belastung mit Feinstaub (Aerosolpartikeln) in den aktuellen Blickpunkt gerückt. Feinstaub verursacht volkswirtschaftlich spürbare Gesundheitsbeeinträchtigungen der Bevölkerung, wie z.B. Atemwegserkrankungen und Herz-Kreislauferkrankungen.

In vielen europäischen Städten, so auch in Leipzig, werden nach wie vor Feinstaubmesswerte (sog. PM10-Werte) oberhalb der von der EU festgelegten Grenzwerte registriert. EU Umweltkommissar Potočnik hat unter anderem aufgrund der ungelösten Probleme beim Feinstaub 2013 als „Jahr der Luft“ ausgerufen. Die Problematik zu hoher Feinstaubmesswerte besteht trotz aktiver Maßnahmen zur Reduzierung von Feinstaub wie z.B. im Industriesektor weiter. Ein Hauptverursacher des in deutschen Städten erzeugten Feinstaubs ist seit einigen Jahren der Straßenverkehr. Die Einführung der Umweltzonen stellen einen pragmatischen Versuch der Kommunen dar, durch eine beschleunigte Erneuerung der Fahrzeugflotte die Beiträge der verkehrlichen Abgasemissionen zu reduzieren.

Das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist eines der führenden Institute in Europa zur Erforschung von Umweltaerosolen und Wolken. TROPOS unterstützt in Zusammenarbeit mit dem Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) den Handlungsbedarf von EU-Mitgliedsstaaten und Kommunen, indem in Leipzig seit mehreren Jahren umweltanalytische Sondermessungen an Brennpunkten der Luftqualität zum Einsatz kommen. Die speziell in Leipzig installierten Instrumente sind in der Lage, die vom Verkehr verursachten Feinstaubemissionen, insbesondere den im Abgas vorhandenen Dieselruß empfindlich nachzuweisen und heben sich dadurch von den gesetzlichen vorgeschriebenen Luftgütemessungen ab.

Aktuelle Ergebnisse

Abnahme der Rußmassenkonzentration in Leipzig-Mitte von 2010-2013, jeweils 2. Halbjahr. Quelle: TROPOS.

In Leipzig konnte seit 2011 als Folge der Einführung der der Umweltzone eine signifikante Abnahme des als gesundheitsgefährdenden Rußanteils im Feinstaub in der Straße um ein Drittel nachgewiesen werden. Die linksstehenden Wochen-Tagesgänge zeigen beispielhaft die Abnahme der Rußmassenkonzentration an der Messstation Leipzig-Mitte.

Man erkennt, dass von 2010 (vor UWZ) nach 2011 (mit UWZ) eine große Abnahme der Messwerte stattfand, offenbar eine Folge der direkten Einführung der Umweltzone mit grüner Plakette. Während 2012 die Werte sich nur geringfügig änderten, war 2013 eine weitere Abnahme sichtbar.

Neben der voranschreitenden Modernisierung der Kfz-Flotte in Leipzig speist sich die Abnahme der Rußmassenkonzentration unseren Erkenntnissen zufolge auch aus verkehrsvermeidenden Effekten. So hat z.B. die Zahl des Leipzig durchquerenden Schwerverkehrs spürbar abgenommen.

Das Sondermessprogramm ist also in der Lage, einen deutlichen Nutzen der Umweltzone für die Bevölkerung sichtbar zu machen, obwohl dies mit den offiziellen Messgrößen PM10 nicht bestätigt werden kann. Die Limitierung der Messgröße PM10 besteht darin, dass sie eine Gesamtfeinstaubmasse darstellt, die durch viele weitere Faktoren (z.B. Klima) beeinflusst wird, die außerhalb des Handlungsspielraums einer Kommune liegen. Das Leipziger Messprogramm trägt somit auch dazu bei, mit neuen fachlichen Argumenten die überhitzte Diskussion zum Für und Wider der Umweltzonen als politische Maßnahmen zu versachlichen.

Veröffentlichungen / Publications

2014

  • Löschau, G., Wiedensohler, A., Birmili, W., Rasch, F., Spindler, G., Müller, K., Wolf, U., Hausmann, A., Böttger, M., Anhalt, M., Dietz, V., Herrmann, H., Böhme, U.: Umweltzone Leipzig, Teil 3: Immissionssituation 2010-2013. Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, 73 S., 31.12.2014. Download PDF at LfULG.

2013

  • Rasch, F., Birmili, W., Weinhold, K., Nordmann, S., Sonntag, A., Spindler, G., Herrmann, H., Wiedensohler, A., Löschau, G.: Signifikante Minderung von Ruß und Anzahl ultrafeiner Partikel in Außenluft als Folge der Umweltzone in Leipzig (Significant reduction of ambient black carbon and particle number in Leipzig as a result of the low emission zone). Gefahrst. Reinh. Luft, 73(11/12): 483-489, 2013. Download PDF courtesy of SPRINGER-VDI-VERLAG
  • Löschau, G., Wiedensohler, A., Birmili, W., Rasch, F., Spindler, G., Müller, K., Wolf, U., Hausmann, A., Böttger, M., Anhalt, M., Herrmann, H.: Umweltzone Leipzig, Teil 2: Immissionssituation 2011. Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, 89 S., 02.05.2013. Download PDF at LfULG

2012

  • Löschau, G., Wiedensohler, A., Birmili, W., Rasch, F., Spindler, G., Müller, K., Wolf, U., Hausmann, A., Herrmann, H.: Umweltzone Leipzig, Teil 1: Ausgangsbeurteilung (The low-emission zone in Leipzig, part 1: initial state), Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (Saxon State Office for Environment, Agriculture and Geology), 83 S., 11.05.2012. Download PDF at LfULG

Aktuelle Links

Umweltzonen zeigen Wirkung – aber ihr Potential ist noch nicht ausgeschöpft, VCD, 01.07.2014


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